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Der Samaúma-Baum [1] – „Baum des Lebens“ und „Königin des Amazonas-Regenwaldes“

Ich bin zu Besuch beim indigenen Volk Huni Kuin [2] im brasilianischen Amazonas-Regenwald. Heute ist es soweit und wir gehen zum ersten Mal gemeinsam zum Samaúma-Baum. Diesen Moment habe ich bereits sehnsüchtig erwartet.


Die Königin des Amazonas-Regenwaldes

Der Samaúma-Baum befindet sich einen ungefähr 15 minütigen Fußweg vom Dorf entfernt etwas tiefer im Regenwald. Der Cacique [3] des Dorfes zeigt mir den Weg. Beim Eintreten in den dichteren Dschungel verändert sich merklich das Klima. Es ist drückend. Die Energien sind stark. Dann bleibt der Cacique plötzlich stehen. „Sieh, dort ist die Samaúma“, sagt er und zeigt nach vorne. Der Samaúma-Baum ist für das Volk Huni Kuin die „Königin des Waldes“. Ich schaue durch das verwachsene Dickicht und kann bereits ihren mächtigen Stamm erkennen. Als wir sie erreichen, nehme ich mir etwas Zeit, um den Moment auf mich einwirken zu lassen. Ich betrachte den majestätischen Baum. Es braucht bestimmt mindestens dreißig Personen um diesen Baumstamm vollends zu umfassen. Ihre dicken rohrförmigen Wurzeln ihres starken Stammes graben sich vehement über mehrere Meter in den Erdboden. Einige ihrer Wurzeln schlängeln sich zudem um ihren Stamm und sichern sie zusätzlich. Dann sehe ich hinauf zu ihrer Krone. Ich weiß nicht wie viel Meter. Aber es sind bestimmt um die 50 oder 60. Ihr breiter Stamm zeigt in die Luft und oben im Dickicht der Krone ragt ihr Grün in den Himmel hinaus.


„Escada dos Espíritos“ („Leiter der Geister“)

Der Cacique zeigt auf eine Strebe, die wie ein Seil an ihrem Stamm herunterhängt. „An dieser Strebe kannst du hoch hinauf in die Krone klettern. Wir nennen sie ‚Escada dos Espíritos’ (‚Leiter der Geister’)“, erklärt er. „Dort oben in ihrer Krone sind alle Geister des Waldes vereint, die der Pflanzen, der Tiere und der Menschen. Wenn du dort hinaufkletterst wirst du sie spüren.“ Ich erfahre wie heilig die Samaúma für sein Volk ist. Für sie ist sie eine Verbindung zwischen Himmel und Erde und ein Geist, der Heilung bringt.


Die Magie des Samaúma-Baumes und die Tragik der Zerstörung des Regenwaldes

Was für eine enorme Schönheit, Eleganz und kraftvolle Energie dieser Baum ausstrahlt. Ich lege meine Hand an seinen Stamm. In diesem Moment spüre ich die ganze Magie des Waldes, seine heilenden Energien und seine Kraft. Ich bin glücklich hier zu sein. Doch zugleich breitet sich in mir ein trauriges Gefühl aus. Bilder der unaufhaltsamen Zerstörung dieses Regenwaldes kommen mir in den Sinn. Jeden Tag, ja jede Minute werden Bäume hier im Regenwald abgeholzt und sterben. Bäume wie dieser Samaúma-Baum, der Wasser aus den Tiefen des Bodens schöpft und damit nicht nur sich selbst sondern das gesamte umliegende Pflanzenreich versorgt. Ein Baum, der älter ist als 400 Jahre, für Regen sorgt und somit Gutes für den Planeten und die Menschheit bringt. Ein Baum, der auch „Baum des Lebens“ genannt wird.


„(...) Die Natur spürt die Auswirkungen des Handelns des Menschen. Unsere Flüsse werden immer mehr durch Müll, Öl und Chemikalien aus den Minen verschmutzt. Unsere Bäume blühen nicht oder tragen keine Früchte wie früher. Ich fühle die Traurigkeit des Samaúma-Baumes, dieses gigantischen Baumes, der Repräsentantin des Amazonas (...) Ich habe das Gefühl, er möchte uns folgendes sagen: ‚Wir müssen jetzt aufhören, Flüsse, Bäume und Wälder zu misshandeln’.“ Prazeres Quaresma, bekannt als Dona Neneca, wohnhaft in Belém do Pará, Brasilien. [4]


[1] Der Samaúma-Baum wächst zwischen 60 und 70 Metern hoch. Einige Exemplare können jedoch eine Höhe von bis zu 90 Metern erreichen und machen ihn damit zu einem der größten Bäume der Welt. Der Samaúma-Baum ist heimisch in Mexiko, Mittelamerika, in der Karibik, im Norden Südamerikas und in Westafrika. Das Wort Samaúma wird verwendet, um die Baumwollfasern zu beschreiben, die aus ihren Früchten gewonnen werden. Dieser Baum kann Wasser aus den Tiefen des Bodens schöpfen und sich nicht nur selbst versorgen, sondern auch mit anderen Arten teilen, da seine als Sapopemba bekannten Wurzeln zu bestimmten Jahreszeiten platzen und das gesamte umliegende Pflanzenreich bewässern. Er wird von daher auch „Baum des Lebens“ genannt. Vgl.: https://www.iguiecologia.com/samauma/ und https://pt.wikipedia.org/wiki/Mafumeira


[2] Das Volk Huni Kuin, ist eines der präsentesten indigenen Völker Brasiliens. Es lebt an der Grenze zu Peru im Unterlauf des Jordão Flusses, in Acre, Brasilien. Die Bezeichnung „Huni Kuin“ (Kaxinawá) bedeutet soviel wie „homens verdadeiros“ oder „gente com costumes conhecidos“ was in der Übersetzung „echte Menschen“ oder „Menschen mit bekannten Bräuchen“ heißt. Ausführlichere Infos zum Volk der Huni Kuin lassen sich unter folgendem Link finden (auf Portugiesisch): https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Huni_Kuin_(Kaxinawá)


[3] Der Cacique ist der politische Anführer einer indigenen Gemeinde.


[4] https://www.em.com.br/app/noticia/politica/2019/09/24/interna_politica,1087570/fala-de-bolsonaro-sobre-a-preservacao-da-amazonia-e-questionada-por-qu.shtml











Ein Video zum Samaúma-Baum aufgenommen im brasilianischem Regenwald finden Sie hier: https://www.ingabacken.com/videos


Für weitere Fotos bitte besuchen Sie die Fotogalerien auf meiner Website: https://de.ingabacken.com/photo-gallery

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