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„Festival de Legumes“ („Gemüsefestival“)


Ich bin zu Besuch beim indigenen Volk Huni Kuin [1] in ihrem Dorf am Fluss Jordão, Acre, Brasilien. Heute wird ein heiliges Ritual durchgeführt. Es wird „Festival de Legumes“ („Gemüsefestival“) genannt. Mir wird erklärt, dass die Durchführung dieses Rituals dazu dient, den Anbau und die Ernte des im Dorf zur Ernährung benötigten Gemüses wie Mais, Yam oder Maniok zu unterstützen.


Das Ritual

Das gesamte Dorf ist auf den Beinen. Alle sind mit ihren typischen Trachten und ihrer typischen Körperbemalung zurechtgemacht. Der Cacique [2] trägt einen Kopfschmuck aus langen weißen Harpyien Federn und roten Federn der Aras-Papageien. Zusätzlich haben sich die Männer die Blätter der Urikuri-Palme [3] um ihre Oberkörper und Stirnen gebunden und halten ihre Sträucher in den Händen. Sie bilden eine Schlange und fassen sich an die Schultern. Die Schlange wird von den Pajés [4] angeführt. Sie fangen an zu singen und tanzen zum zentralen Platz des Dorfes. Hier warten auch die Frauen und Kinder. Die Männer erreichen den zentralen Dorfplatz und bilden gemeinsam mit den Frauen und Kindern eine große Runde. Sie halten sich an den Händen und tanzen singend im Kreis. Zum Abschluss des Rituals setzen sich die jungen Männer zusammen, machen Musik und singen während die jungen Mädchen ebenfalls singend im Kreis um sie herumtanzen. Neugierig schaue ich mir das Ritual an und bewundere, wie stolz sie ihre Kultur zeigen. 


Ein wenig mehr über ihre Kultur

Um noch ein wenig mehr über ihre Kultur zu erfahren setze ich mich zu einem der Dorfbewohner. Er freut sich, und fängt an zu erzählen: „Vor 500 Jahren, vor unserem ersten Kontakt mit den weißen Europäern hat die gesamte Dorfgemeinde in einer Maloca [5] zusammen auf dem Fußboden geschlafen. Wir haben noch näher an der Natur gelebt als heute. Nach unserem Kontakt mit den Europäern haben wir jedoch angefangen ihre Kleidung zu tragen und Töpfe und Pfannen zum Kochen zu verwenden. Auch unsere Ernährungsweise haben wir umgestellt. Wir gehen jetzt weniger in den Wald um zu jagen, sondern kaufen unsere Nahrungsmittel öfter in Jordão [6]. Trotzdem versuchen wir unsere Nähe zur Natur weitestgehend zu bewahren, denn die Natur präsentiert für uns unseren Gott.“ „Aber ihr wart in der Lage viel von eurer Kultur zu erhalten...“, entgegne ich. „Ja, darüber sind wir sehr froh“, bestätigt er. „Wir sprechen auch noch unsere Sprache, obwohl sie sich etwas mit dem Portugiesischen vermischt hat. Jetzt ist es unser Wunsch unsere Kultur für die kommenden Generationen weiter zu stärken und somit uns, den Wald und die Natur zu schützen.“ 


[1] Das Volk der Huni Kuin, ist eines der präsentesten indigenen Völker Brasiliens. Es lebt an der Grenze zu Peru im Unterlauf des Jordão Flusses, in Acre, Brasilien. Die Bezeichnung „Huni Kuin“ (Kaxinawá) bedeutet soviel wie „homens verdadeiros“ oder „gente com costumes conhecidos“ was in der Übersetzung „echte Menschen“ oder „Menschen mit bekannten Bräuchen“ heißt. Ausführlichere Infos zum Volk der Huni Kuin lassen sich unter folgendem Link finden (auf Portugiesisch): https://pib.socioambiental.org/pt/Povo:Huni_Kuin_(Kaxinawá)

[2] Der Cacique ist der politische Anführer einer indigenen Gemeinde. 

[3] Die Urikuri-Palme ist eine Palmenart, die im Amazonas-Regenwald wächst. Ihre Blätter werden auch für den Bau der Dächer der Malocas und für das Kunsthandwerk der Frauen und Mädchen verwendet.

[4] Als Pajé wird der spirituelle Führer einer indigenen Gemeinde bezeichnet.

[5] Malocas sind die traditionellen Häuser mit Dächern aus Stroh der indigenen Völker.

[6] Eine kleine Gemeinde im Bundestaat Acre in Brasilien, die von den Flüssen Jordão und Tarauacá geschnitten wird. Mit etwas mehr als 7.000 Einwohnern liegt die Gemeinde 640 Kilometer Luftlinie von der Landeshauptstadt Rio Branco entfernt und direkt im Amazonas-Regenwald. Von den etwa siebentausend Einwohnern sind mehr als zweitausend Ureinwohner der Huni Kuin-Volksgruppe. Ohne Zugang auf dem Landweg ist Jordão entweder durch eine 3-tägige Reise mit dem Boot oder einem 2,5 stündigen Flug mit dem Lufttaxi zu erreichen. Vgl. https://www.agencia.ac.gov.br/jordo-uma-pequena-cidade-amaznica/
















Ein Video zum Ritual finden Sie hier: https://www.ingabacken.com/videos


Für weitere Fotos besuchen Sie bitte die Fotogalerien auf meiner Website: https://de.ingabacken.com/photo-gallery

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